Was heißt Reenactment - Napoleonik
Als Reenactment (Wiederaufführung, Nachstellung) bezeichnet man die Neuinszenierung historischer Ereignisse in mgl. authentischer Weise, sowohl militärhistorische Gefechte als auch zivile historische Inszenierungen.
Kleidung, Uniformen und Ausrüstungsgegenstände werden mit höchst möglicher historischer Genauigkeit rekonstruiert, die Lebensumstände der damaligen Zivilisten und Soldaten werden in historischen Biwaks / Feldlagern
nachempfunden,
und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (siehe Termine und das Prospekt Lauenburg für die Augustveranstaltung "Gefecht von Lauenburg").
Der Drill, die Ausbildung und das Gehabe der Soldaten der napoleonischen Zeit werden ebenso dargestellt und auch geübt, denn es werden unter anderem Schlachten an Originalschauplätzen rekonstruiert
(Göhrdeschlacht, das Gefecht um Lauenburg etc),
wie das Lagerleben in Biwaks oder das der Zivilisten. Kleidung, Gerätschaften und Lebensweisen der napoleonischen Zeit werden anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Quellenmaterial nachempfunden, um der breiten Öffentlichkeit
ein realitätsnahes Bild der Lebensweise und der Ausstattung dieser Zeit näher zu bringen.
Geschichte erlebbar machen, einmal selbst zu fühlen
wie sich Menschen aus anderen Epochen gefühlt haben mögen, das ist für viele Menschen ein Traum, egal ob jung oder alt oder von welchem Geschlecht.
Wissenschaftler, wie Historiker, Archäologen oder Kulturwissenschaftler, beobachten (und unterstützen teilweise sogar) die Versuche, eine immer genauere Darstellung damaliger Kleidung und Gerätschaften sowie deren
praktischer Anwendung zu schaffen, mit Interesse.
Für Geschichtsinteressierte bietet das Reenactment die Möglichkeit, ein Stück Geschichte spürbar zu machen, Nach Möglichkeit getreu dem Motto
"Geschichte hautnah erleben". Wenn man am Wochenende
seine originalgetreue Uniform anlegt und sich im Biwak (Zelt- oder Heer- Lager), befindet, taucht man in eine ferne Welt ein, weit weg von
der gewohnten
Umgebung und den technischen Errungenschaften wie Handys, Computer oder Fernseher. Im Biwak herrscht ein geschäftiges Treiben,
es klopft, hämmert und trommelt, überall knistern Feuer, von denen kleine Rauchsäulen aufsteigen und aus den darüber hängenden Kesseln
breitet sich Essengeruch aus, eine Athmosphäre, die jeder Reenactor genießt.
Ab jetzt haben ganz andere Dinge ihre Priorität, denn man bekommt wieder einen Sinn für Kleinigkeiten und lernt ein wärmendes
Lagerfeuer, einen Strohsack zum Schlafen oder einen frischen Kanten Brot zu schätzen.
Was man so nebenbei in den Lehrbüchern las oder im Fernsehen sah, erhält nun seinen tieferen Sinn. Man beurteilt
einen zehn oder gar zwanzig Kilometer langen Fußmarsch bei naßkaltem Wetter und auf schlammigen Wegen, mit drückendem Gepäck
und in unbequemer Uniform, eine durchfrorene Nacht, ganz anders als aus der Perspektive des Autofahrers oder des vor dem Fernseher Sitzenden. Dies war vor kurzem nachzuempfinden und zu sehen beim
Göhrdemarsch, der von Damnatz aus zum Biwak und Gefechtsfeld an der Göhrde führte. Man begreift, warum viele Soldaten
an Seuchen und Krankheiten starben, nachdem sie wochenlang im Freien hausten und keine ausreichenden Waschmöglichkeiten hatten,
ganz zu schweigen von hinreichender medizinischer Versorgung, denn soetwas gab es damals noch nicht.
Reenactment beinhaltet aber auch einen anderen, einen wichtigen, ernsten Aspekt:
Wenn an historischen Orten große Persönlichkeiten geehrt und bedeutsame Schlachten nachgestellt werden, geht es auch
darum, den Zuschauern durch Gespräche, Vorträge, Inventar oder auch gezeigter Dokumente die schlimmen Auswirkungen
solcher Kämpfe vor Augen zu führen. Bei allem Spaß, den das Erlebnis Geschichte unwillkürlich bereitet, schwingt immer
die mahnende Botschaft mit, gewaltsame Auseinandersetzungen künftig zu vermeiden. Es ist daher natürlich auch immer besonders schön, dass die
verschiedenen Darstellergruppen egal welcher Nation am Lagerfeuer und im Biwak harmonieren.
Die napoleonische Zeit war von internationalen Begebenheiten geprägt, brachte uns sicher auch positiv zu bewertende Errungenschaften, und ist auch heute noch von internationalen
Interesse. Als Reenactor des Napoleonik e.V. möchten wir zur Völkerverständigung beitragen, indem wir an ausländischen
Veranstaltungen, und auch ausländische Gruppen an unseren Veranstaltungen, teilnehmen. Vor dem Hintergrund der
kriegerischen Auseinandersetzungen vergangener Zeiten ist die Annäherung von Menschen verschiedener Nationalitäten ein
wichtiger Beitrag zur Völkerverständigung in unserem zusammenwachsenden Europa, ein nicht zu vernachlässigender Aspekt
für ein friedliches, harmonisches Miteinander.
Insgesamt gesehen erfordert das Hobby Reenactment einen hohen Zeiteinsatz und viel Liebe zur Sache, aber es ist eine
gute Mischung aus harter Arbeit
und angenehmer Entspannung. Dem Einzelnen öffnen sich bisher ungewohnte Einblicke und zusätzlich
hat man die Möglichkeit, sich für Verständigung, historische Bildung und Traditionspflege einzusetzen.
Welches andere Hobby kann schon mit derartig breit gefächerten Vorzügen aufwarten?
An all jene, die sich für unser Hobby interessieren, sich aber nicht aktiv einbringen können oder möchten:
Sponsoren und Fördermitglieder sind natürlich auch immer Willkommen ;)
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